Universitätsbibliothek Dortmund


Die 3. InetBib-Tagung vom 4. - 6. März 1998 in Köln
gesehen von Monika Augustin

Die 3. InetBib-Tagung stand unter dem Motto "Weiter auf dem Weg zur virtuellen Bibliothek! Kundenservice zwischen Quantität und Qualität". Sie wurde von der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln, der UB Dortmund, dem Fachbereich Bibliothekswesen der Fachhochschule Köln, der Stadt-Bibliothek Köln und dem British Council Köln veranstaltet.

Für mich selbst war es das zweite Mal, daß ich an einer InetBibTagung teilnahm. Am Mittwochnachmittag fanden parallel Tutorials zu 4 Themenbereichen statt (Die ÖB geht ans Internet, Interneterschließung in öffentlichen Bibliotheken, Einführung in HTML, Informationen im Web anbieten und wiederfinden).

Im Vordergrund von Tutorial 4 stand die Verbesserung der Wiederauffindbarkeit von Dokumenten im Internet. Dabei ging es nicht nur um die von Herrn Traugott Koch (University Library Lund) dargestellte Weiterentwicklung von Suchmaschinen. Ein wichtiges Element bilden die verschiedenen Internet-Erschließungsprojekte (z. B. BINE, FINT, GERHARD, OSIRIS u. a), über deren Stand auch im Roundtable am Donnerstagmorgen berichtet wurde. Dabei wurde erkennbar, daß Projekten mit manueller Erschließung sehr enge Grenzen gesetzt sind. So manche mit viel Initiative erstellte Sammlung von Internet-Adressen kann aus Zeitmangel nicht wie vorgesehen laufend aktualisiert werden und verliert damit an Wert. Ohne Einbezug maschineller Erschließungsmethoden auch im Bereich der Klassifikation sind breiter angelegte Erschließungsprojekte nicht mehr durchführbar.

Doch trotz bester Aufbereitung bleiben viele Internet-Dokumente schlicht aufgrund elementarer Fehler beim Input unauffindbar, wie eine Auswertung von Herrn Wätjen, BIS Oldenburg ergibt: z. B. gibt es Dokumente ohne Titel, nicht-strukturierte Seiten, Dokumente ohne Autor- oder Adress-Tags (anonyme Seiten). Nur 0,11 % der Dokumente ist im Internet mit Dublin-Core-Meta-Daten versehen, wobei diese im Rahmen des Projekts GERHARD ausgewerteten Dokumente ausschließlich aus Bibliotheken stammen.

Die zweite Vormittagshälfte am Donnerstag war dem Thema Nutzerforschung gewidmet, Welche Arten von Informationen suchen die Nutzer im Internet? Welche Erwartungen werden dabei an die Bibliotheken gestellt? Was sollen Bibliotheken selbst im Internet anbieten? Wie werden die dargebotenen Informationen angenommen?

Neben der konventionellen schriftlichen Umfrage bietet sich auch die Umfrage im Internet an. Frau Dr. Beate Tröger, UB Dortmund, stellte die Besonderheiten und die damit verbundenen Unwägbarkeiten dieser Methode dar.

Zwischen den Vorträgen war ausreichend Gelegenheit, die Stände der Aussteller zu besuchen. Auch am Stand des VdDB fanden sich die Kolleginnen und Kollegen gern zu einem Meinungsaustausch ein.

Für unser leibliches Wohl war dank der Sponsoren reichlich gesorgt, so daß manchen Mittagsmüdigkeit überkommen wollte. Doch der fesselnde Vortrag von Herrn Prof. Dr. Melichar zu urheberrechtlichen Fragen der Internet-Nutzung ließ dies nicht zu. Viele Kolleginnen und Kollegen wurden recht nachdenklich in dem Bewußtsein, daß Bibliotheken aber auch Verlage sich derzeit mit ihrem Angebot an elektronischen Dienstleistungen (incl. CD-ROM-Angeboten) häufig in einer urheberrechtlichen Grauzone bewegen. Dies betrifft Veröffentlichungen, die vor weniger als 70 Jahren und zu einem Zeitpunkt erschienen, als die elektronischen Publikationsformen noch nicht bekannt waren. Hier hat der Autor (oder seine Nachfahren) das Urheberrecht und muß einer Veröffentlichung in elektronischer Form zustimmen.

Keine Tagung ohne geselliges Beisammensein. Am Abend trafen sich alle im Brauhaus Sion zu Kölsch und Kölner Küche.

Der Nachmittag des letzten Tages war den zu erwartenden strukturellen Veränderungen im Wissenschaftsbereich und der Stellung der Bibliotheken gewidmet. Herr Graham Walton, University of Northumbria, Newcastle, stellte das Konzept und erste Ergebnisse des IMPEL2 eLIB-Projekts (Impact on People of Electronic Libraries = Einfluß von elektronischen Bibliotheken auf Menschen) vor. In einem Workshop wurde unter anderem zusammengetragen, wie die Hochschulausbildung im Jahre 2007 aussehen könnte. Die dabei erarbeiteten Denkmodelle bewegten sich in die unterschiedlichsten Richtungen: vom wirtschaftlich ausgerichteten Modell bis zum am "Kunden" Student orientierten. Welche Bedeutung die Bibliothek im Jahre 2007 haben wird, hängt davon ab, inwieweit sie sich den neuen Anforderungen stellt.

Hierzu bedarf es der "lernenden Bibliothek" und des Erwerbs neuer Qualifikationen. Wie Frau Jedwabski und Frau Nowak vom Weiterbildungsreferat der UB Dortmund überzeugend darzustellen wußten, sind jedoch viele der in der Vergangenheit erworbenen fachlichen Kompetenzen nicht überflüssig: oder etwas verkürzt ausgedrückt: Wer im konventionellen Katalog nichts finden konnte, wird auch im Internet nicht das finden, was er sucht ...

Bei einem Glas Kölsch und Sekt fand diese erfolgreiche Tagung ihren Ausklang.

Auch ein Tagungsband wird in 2. Auflage demnächst erscheinen. Er ist zu beziehen über:

UB Dortmund/IBKON-Team, 44222 Dortmund, Telefon (0231) 7554008, Telefax (0232) 7275021,
E-Mail: ibkon@ub.tu-dortmund.de

Anmerkung der UB Dortmund: Der Tagungsband ist auch per Formular zu bestellen.

Monika Augustin


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