Universitätsbibliothek Dortmund


Bericht von der 3. InetBib-Tagung

Vor dem offiziellen Tagungsbeginn der 3. InetBib-Tagung, die vom 4.-6. März mit über 400 Teilnehmern aus beiden Bibliothekssparten in der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln stattfand, wurde den Vetretern öffentlicher Bibliotheken in zwei Tutorials ein Forum für die Erörterung ihrer spezifischen Internetprobleme gegeben. Der praxisnahe Bericht über die Interneteinführung in der Stadtbibliothek Köln richtete sich an Einsteiger, die sich in der Einführungsphase neuer Online-Dienste ihrer Bibliothek über Zugang, Technik und Benutzungsfragen informieren und von den Erfahrungen der Kölner Kollegen profitieren wollten. Den Ausführungen von Frank Daniel, Christian Schmid, Uwe Becker und Jörg Toma war anzumerken, da▀ man sich in Köln sehr früh auch in technischer Hinsicht um ein zukunftsweisendes ausbaufähiges Internetkonzept für ein Gro▀stadtsystem bemüht hatte. Mit Rücksicht auf spätere Angebotserweiterungen hatte man sich für eine gro▀zügige Verkabelung und die Installation eines eigenen WWW-Servers sowie die Einstellung des für die Netzwerkadministration nötigen qualifizierten Personals entschieden. Einmalig als Kundenservice einer öffentlichen Bibliothek ist bisher im deutschen Raum das in Kooperation mit dem Provider NetCologne entwickelte Angebot der Ausleihe von 50 Modems inklusive kostenlosem Internet-Probeaccount für Nutzer der Kölner Stadtbibliothek. Ulrich Kähler (DFN Berlin) erläuterte die besonderen Bedingungen für öffentliche Bibliotheken beim Anschlu▀ ans Internet über Winshuttle (hier ist vor allem die Stadtbibliothek Stuttgart als Pilotbibliothek zu nennen). Klaus Peter Hommes (Stadtbüchereien Düsseldorf) stellte die NRW-Initiative „Bibliotheken ans Netz" vor, die auch eine Signalwirkung auf andere Bundesländer haben könnte. Hilfen bei der Hardwarebeschaffung, Fortbildung und übernahme eines Anteils der Netzkosten standen hier im Vordergrund.

Das Internet ist ein Moloch an Vielfältigkeiten und unüberschaubaren Inhalten. Auch öffentliche Bibliotheken fühlen sich berufen, für die Nutzer Ordnung in das Chaos zu bringen hinsichtlich einer inhaltlichen Bündelung, Strukturierung und bewertenden Erschlie▀ung vorhandener Netzseiten. Im Rahmen des BINE-Projektes der Stadtbibliothek Bremen (Erwin Miedtke, Heidi Best) in Zusammenarbeit mit der Universität Bremen (Birte Plutat) wurde während der achtzehn Monate Förderzeit durch BMBF-Mittel ein Erfassungstool erarbeitet, das Eingaben von Internetquellen in eine WWW-Datenbank ermöglicht, und seine Funktionsfähigkeit am Beispiel der Fächer „Computer" und „Umwelt" praktisch erprobt. Die Erfassung inhaltsbeschreibender und bewertender Felder erfolgt online über das WWW. Für die Suche nach Informationen in der BINE-Datenbank wird dem Nutzer ein Zugang über Suchbäume und eine verbale Sucheingabe angeboten. über das Quo Vadis, nämlich die Frage, wo die Datenbank künftig für eine mögliche kooperative Interneterschlie▀ung öffentlicher Bibliotheken aufgelegt und personell gepflegt werden kann, herrscht zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch Unklarheit. Da das von der Schlie▀ung bedrohte DBI diese zentrale Funktion möglicherweise nicht übernehmen kann, wurden erste Sondierungsgespräche mit anderen denkbaren Kooperationspartnern geführt. Eine Frage, die alle aus der Praxis (Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Stuttgart) berichtenden Teilnehmer bewegte, war die nach einer konkreten Zusammenarbeit in Erschlie▀ungsfragen. Mögliche Kooperationsmodelle, die diskutiert wurden, reichten von blo▀er Themenabsprache über verteilte Pflege der Sachgebiete unter einheitlichem Design (Modell Stuttgart-Ludwigsburg) bis hin zur komfortablen Lösung der Eingabe in die gemeinsame Datenbank BINE, wie bereits in Zusammenarbeit mit Hamburg für das Sachgebiet „Sprache" erprobt. Die Teilnehmer sprachen sich für die Einrichtung einer Mailingliste aus, (Kontakt: miedtke@gate.stabi.uni-bremen.de oder über InetBib und ForumöB) um Themenabsprachen bis zum Folgetreffen im Mai und einem weiteren Treffen auf der DBV-Jahrestagung im Oktober in Hamburg zu konkretisieren.

Den Blick über den Tellerrand ermöglichte der spartenübergreifende Roundtable über verschiedene Internet-Erschlie▀ungsprojekte, in dem die öffentlichen Bibliotheken wiederum mit BINE, die wissenschaftlichen Bibliotheken mit den Projekten SSG-FI (Göttingen), Ibis (HBZ,NRW), OSIRIS (Osnabrück), FINT (Fachhochschulbibliotheken NRW), MILOS/KASCADE (Düsseldorf) und GERHARD (Oldenburg) vertreten waren. Standardisierungen, wie die Erzeugung von Metadaten nach dem Dublin Core Set, das auch im BINE Erfassungstool Berücksichtigung findet, eröffnen neue Perspektiven für die Verbesserung des In- und Outputs vorhandener Navigationsdienste. Am Beispiel IBIS (B. Tröger) wurde jedoch auch deutlich, da▀ bei ungenügender Personalausstattung und mangelnder Verbindlichkeit der Kooperation beteiligter Partner Projekte intellekueller Ressourcenerschlie▀ung sehr schnell scheitern.

Vertreter öffentlicher Bibliotheken konnten auch von dem Vortrag zur Nutzerforschung im Internet von Beate Tröger (FHS Köln/UB Dortmund) profitieren, ging es doch um die Frage, was der Nutzer von bibliothekarischen Internetdiensten tatsächlich erwartet. Ausgehend von Methoden der empirischen Sozialforschung wurden Probleme der Netzbefragung erörtert und erste Ergebnisse der von Bibliotheken durchgeführten Befragungen bewertet. Das europäische Bibliotheksprogramm (Ariane Iljon, Brüssel) ist ein seit 1990 bestehendes Forschungsprogramm für Bibliotheken aller Sparten. Unter Berufung auf die bibliothekspolitisch wichtigen Thesen des Kulturausschusses des Deutschen Städtetages, wonach der Informationszugang auch bei einer komplexeren Informationstechnologie für alle Bevölkerungsschichten ungehindert möglich sein müsse, forderte Frau Iljon insbesondere öffentliche Bibliotheken zur Entwicklung entsprechender Internetangebote auf.

Sponsoring ist vor dem Hintergrund leerer Staatskassen in öffentlichen Bibliotheken das neue Zauberwort. Was liegt näher, als zu prüfen, inwieweit eine „Bannerwerbung" auf den Homepageseiten der Bibliotheken nicht neue Einnahmequellen erschlie▀en kann, zumal auch der DFN-Verein Werbung als kommerzielle Nutzung dann gestattet, wenn diese den Zielen der Einrichtung, z.B. über Einnahme von Drittmitteln, zugute kommt. Oliver Obst (ULB Münster) berichtete in einer exzellenten Präsentation über erste Erfahrungen mit Partnern unterschiedlichster Provenienz, die mit ihrem Logo auf den BibliotheksseÝten im Internet werben.

Am Beispiel der INETBIB (gleiches gilt gewi▀ auch für das ForumöB) gab Michael Schaarwächter (UB Dortmund) einen humorvollen Einblick in die Netiquette im Umgang mit (unmoderierten, daher dem Chaosprinzip zwischen Kreativität und Geschwätzigkeit verpflichteten) bibliothekarischen Diskussionsforen.

Firmenpräsentationen in den Pausen sowie die angesichts des unwirtlichen Wetters dankbar angenommene sponsorenfinanzierte „Inhouseverköstigung" trugen zum Gelingen der Tagung bei. Die Tagungsorganisation war übrigens ein Projekt der Kölner Fachhochschulstudenten. Ihnen und den Veranstaltern sei für den auch in technischer Hinsicht reibungslosen Ablauf gedankt.

(Regine Schmolling)


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