Universitätsbibliothek Dortmund: 2. InetBiB-Tagung

Abstract Prof. Gerhard Schneider, Rechenzentrum Universität Karlsruhe
Anforderungen des wissenschaftlichen Nutzers an Internet-Dienste der Bibliotheken und des DBI

Der feste Platz, den die Bibliotheken in der eingespielten Kette der Informationsvermittlung haben - der Autor als Produzent, der Verlag als Verteiler, die Bibliothek als Lager und Zugangspunkt und der Leser als Verbraucher - ist durch die Entwicklung in der Informationsübermittlung in Frage gestellt. Durch die Globale Informations-Infrastruktur kann der Leser unmittelbar mit dem Autor in Verbindung treten und letzterer kann die Information zur Abholung bereithalten.

Jedoch war die Bibliothek schon immer mehr als nur eine Lagerstätte von Wissen; sie vermittelte stets auch den Zugriff auf Informationen und ermöglichte eine strukturierte Erfassung des Wissens sowohl aktuell wie dauerhaft. Gerade die letztere Funktion hat ein Verlag nie erfüllt. Aufgrund der engen Verflechtung des Informationsgehalts mit dem Papier lag jedoch lange Zeit die Sammeleigenschaft im Vordergrund des Bewußtseins, mit dem Nebeneffekt, daß auch Quantität mit der Qualität einer Bibliothek gleichgesetzt wurde. Die ersten nichtpapierernen Informationsmedien, wie CD-ROM, konnten aufgrund der teilweise prohibitiven Lizenzpolitik sowie der oft minderwertigen Steuersoftware den sich abzeichnenden Paradigmenwechsel noch nicht vermitteln, nämlich die Tatsache, daß sich die Information von dem Trägermedium abkoppelt. Ein wissenschaftlicher Benutzer einer Bibliothek hat primär Anforderungen an die Informationsvermittlung. Zwar können solche Anforderungen theoretisch vom Nutzer selbst erfüllt werden, jedoch stellt sachgemäßer Rat eine große Zeitersparnis dar und bietet damit der Bibliothek die Möglichkeit zum Kundenkontakt. Es kann aber nicht mehr erwartet werden, daß der Nutzer zum Abholen der gedruckten Information in das Biblotheksgebäude kommt, die Lieferung an den Arbeitsplatz wird eine wichtige Forderung.

Damit wird die Bindung an die eigene lokale Bibliothek ersetzt durch die Bindung an die bevorzugte Beratungs- und Lieferbibliothek im Datennetz. Dies bietet umgekehrt aber den betroffenen Bibliotheken die Möglichkeit zur Spezialisierung im Verbund, um das Gesamtspektrum für den Nutzerkreis einer Region zu vergrößern.

In dem Vortrag wird auf weitere Aspekte der Datenkommunikation und ihre Auswirkungen auf das Anforderungsprofil eines wissenschaftlichen Nutzers an die Bibliotheken eingegangen. In diesem sich technisch ändernden Umfeld kann eine Bibliothek den angestammten Platz neu suchen und finden.


Netz-Gruppe der UB Dortmund 31.01.1997