9. InetBib-Tagung vom 06. bis 08. September 2006 in Münster
Veranstalter: Hochschulbibliothek der Fachhochschule Münster, Stadtbücherei Münster, Universitäts- und Landesbibliothek Münster, Universitätsbibliothek Dortmund

9. InetBib-Tagung vom 06. bis 08. September 2006 in Münster
 
Veranstalter:

Abstract: Neue Rechtsbestimmungen im Urheberrecht und ihre Auswirkungen auf Bibliotheken

Dr. Ulrike Verch, Universitätsbibliothek Bielefeld und
Nadine Kalberg, Institut für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht (ITM) Münster

  1. "Zweiter Korb" als schwere Last für Forschung und Lehre

    Der Entwurf eines Zweiten Gesetzes zur Regelung des Urheberrechts in der Informationsgesellschaft, der noch in diesem Jahr vom Parlament verabschiedet werden soll, entfacht in vielfacher Hinsicht heftigen Streit. Aus Sicht der Hochschulen und Bibliotheken könnte sich die anstehende Novellierung verheerend auf die deutschen Lehr- und Forschungsbedingungen auswirken.

    Besonders kritisiert werden die Gefährdung von E-Learning-Angeboten durch den möglichen Wegfall des 52a UrhG, die Einschränkung des Kopierrechts ( 53 Abs. 2 Nr. 1 UrhG), die Enteignung der Autoren bezüglich ihrer Rechte für unbekannte Nutzungsarten ( 31a UrhG) und der Vorrang technischer Schutzmaßnahmen gemäß 95b UrhG. Als schlechthin unzumutbar für die allgemeine Informationsversorgung ist die geplante Einführung des 53a UrhG zu werten, weil diese die Dokumentlieferdienste wie Subito oder die Online-Fernleihe in ihrer Existenz gefährdet.

    Der Vortrag informiert über den aktuellen Stand der Reformbestrebungen und zeigt die voraussichtlichen Auswirkungen auf Forschung, Lehre und die praktische Bibliotheksarbeit.

  2. Die geplante Umsetzung der Enforcement-Richtlinie: Zivilrechtliche Auskunftsansprüche gegenüber Bibliotheken und Universitäten?

    Nach der Urheberrechtsreform zum 2. Korb steht mit der Umsetzung der sog. "Enforcement-Richtlinie" bereits die nächste umstrittene Reform des Urheberrechts an. Besonders diskutiert wird in diesem Zusammenhang die geplante Einführung eines zivilrechtlichen Auskunftsanspruchs gegen Internet-Access-Provider. Dieser zivilrechtliche Auskunftsanspruch soll es den Rechteinhabern in Zukunft auch ohne Einschaltung der Strafverfolgungsbehörden erlauben, den Provider zur Herausgabe von Adressdaten solcher Nutzer zu zwingen, die z.B. im Rahmen von Musiktauschbörsen Urheberrechtsverletzungen begehen.

    Im Rahmen des Vortrages wird daher sowohl ein kurzer Überblick über die momentane Rechtslage als auch auf die geplanten Änderungen und ihre Auswirkungen für Universitäten und Bibliotheken gegeben werden.