12. InetBib-Tagung vom 4. bis 6. März 2013 in Berlin
Veranstalter: Computer- und Medienservice, Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft und Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin sowie die Universitätsbibliothek Dortmund

12. InetBib-Tagung vom 4. bis 6. März 2013 im Audimax der Humboldt-Universität zu Berlin
 
Veranstalter: Computer- und Medienservice, Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft und Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin

Abstract: Wachgeküsst: Die Geschichte vom aktiven Katalognutzer

Simon Brenner, Miriam Lorenz
Institut für Informationswissenschaft der Fachhochschule Köln

Es waren einmal Bibliothekskunden, die ihren OPAC fleißig nutzten und denen man Möglichkeiten wie Tags, Rezensionen und Weiterempfehlungen anbot, welche sich gemeinsam Web-2.0-Funktionalitäten nannten. Vor ca. zehn Jahren begannen diese Web-2.0-Funktionalitäten neue Perspektiven für die Zukunft von OPACs und ihre aktive Nutzung durch Bibliothekskunden zu wecken. Und nach und nach hielten diese Funktionalitäten Einzug in die Bibliothekskataloge und sie lebten glücklich und zufrieden, bis die Erkenntnis "Kritische Masse" dunkle Wolken am Himmel aufkommen ließ.
Dienste wie Amazon, Qype oder eBay haben es vorgemacht und im Alltag etabliert. Menschen bewerten Dinge, Menschen lesen Bewertungen, Dinge werden verkauft und Bewertungstools sind erfolgreich. Im letzten Jahrzehnt haben Bibliotheken wiederholt versucht diesen Erfolg auch für sich zu nutzen. Schnell wurde deutlich, dass Bibliothekskatalognutzer sich anscheinend anders verhalten als Amazon-Nutzer: es wurden eher wenig Tags vergeben oder Rezensionen geschrieben. Das Problem: Eine kritische Masse an Bewertungen oder Beschreibungen muss vorhanden sein, damit weitere Nutzer dem Beispiel folgen. An diesem Punkt enden in der Regel die Diskussion und im Laufe der Jahre hat sich so aus dem Hoffnungsträger "aktiver Katalognutzer", ein etwas undefinierter, Buzzword-artiger Zustand entwickelt.

Der amerikanische Social Cataloging-Dienst LibraryThing hat mit seinem Angebot LibraryThing for Libraries diese Marktlücke erkannt und setzt beim Problem der "Kritischen Masse" vor allem auf Austausch und Kooperation. LibraryThing ist in erster Linie ein Portal, welches die Verwaltung von Privatsammlungen mittels Datenübernahme aus Amazon oder auch Bibliotheksverbünden anbietet und die Erweiterung und Anreicherung dieser Daten mit Tags und Bewertungen durch einzelne Nutzer ermöglicht. Auf dieser Basis werden dann Empfehlungen und Wortwolken erstellt. LibraryThing for Libraries ermöglicht nun, diese Daten auch im Bibliothekkatalog anzuzeigen und bietet dem Nutzer zudem die Gelegenheit auch dort eigene Bewertungen und Rezensionen hinzuzufügen. Diese werden dann in den Katalogen sämtlicher das Angebot nutzender Bibliotheken sichtbar. Seit März 2012 werden diese Inhalte und Funktionen in einem Projekt des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sports des Landes Nordrhein-Westfahlen unter der Projektleitung des Dezernat 48 Öffentliche Bibliotheken der Bezirksregierung Düsseldorf in 24 Öffentlichen Bibliotheken in Nordrhein-Westfalen eingesetzt. Alleine in einem halben Jahr wurden hier über 2000 deutschsprachige Rezensionen erfasst.

Das Projekt wird derzeit von der Fachhochschule Köln detailliert analysiert und evaluiert. Die statischen Auswertungsmöglichkeiten von LibraryThing werden unterstützt durch eine Mitarbeiterbefragung noch im Jahr 2012 und einer anschließenden Kundenbefragung im Sommer 2013. Schon jetzt weisen die Auswertungen der statistischen Daten auf interessante Erkenntnisse hin. So scheint die "kritische Masse" nicht der einzige Einflussfaktor zu sein. Inhalt des Vortrages sollen die Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung in Kombination mit der Auswertung der statischen Daten von LibraryThing sein. Sie sollen darüber Auskunft geben, wann ein Nutzer aktiv wird, wie die Bibliothek das beeinflussen kann und welche Funktionen tatsächlich genutzt werden. Gleichzeitig soll aufgelöst werden, welche Funktionen und Aktionen Frösche und welche Prinzen sind und wie am Ende alle glücklich und zufrieden leben können.