UB-Blog - Weblog der Universitätsbibliothek Dortmund

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Podcast zum Urheberrechtsgesetz, Schwerpunkt Kopienversand

Dienstag, 04.03.2008 um 11:08 Uhr - 7.523 Aufrufe

Podcast Nr. 7: die Auswirkungen des neuen Urheberrechts auf die Fernleihe und die Folgen für Studierende und Wissenschaftler – ein Interview

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4 Kommentare für “Podcast zum Urheberrechtsgesetz, Schwerpunkt Kopienversand”

  1. J. Lutz sagt:

    Hallo,

    ich finde es höchst bedauerlich, dass bei der Änderung des Urheberrechtsgesetzes zu wenig die Belange von Studierenden/Wissenschaftlern berücksichtigt wurden. Im digitalen Zeitalter sollte man unkompliziert, schnell und auf kostengünstige Art und Weise an Literatur kommen und diese auch sinnvoll (digital) verwalten können. Daher wirkt ein Wegfall der elektronischen Zustellung anachronistisch. Und Kosten von 30 Euro pro Zeitschriftenartikel halte ich ebenso für nicht angebracht.
    Wenn der Artikel bis zur Nehmer-Bibliothek digital verschickt wird, um dann dort ausgedruckt zu werden, vom Besteller abgeholt werden muss, um dann wieder eingescannt zu werden, um neben der Literatur-Referenz auch die Datei in Endnote zu verwalten, dann ist dies in meinen Augen eine Behinderung der Wissenschaft und mehr als unnötig.
    Auf Dauer wünsche ich mir, dass im „3. Korb“ zum Urheberrechtsgesetz deutliche Nachbesserungen für Studierende/Wissenschaftler/Bibliotheken gemacht werden und dass Open Access Journals noch stärker genutzt werden. Vielleicht könnte sich auch ein anderes ökonomisches Vermarktungsmodell (ähnlich zu Apples iTunes) bei den traditionellen Verlagen durchsetzen. Die Verlage bieten (fast) alle Artikel als Text-PDFs zum Download für 1 Euro an. Der Umsatz würde dann über die Masse und nicht über den Preis gemacht und der Informations- und Wissensaustausch würde massiv erleichtert.

    Mit freundlichen Grüssen,
    J. Lutz
    Lehrstuhl Biotechnik
    TU Dortmund

  2. Johannes sagt:

    Was eigentlich so frustrierend ist, dass die größte Mehrheit der per Fernleihe bestellten akademischen Aufsätze von Universitätsangehörigen geschrieben worden sind. Die Autoren und Universitäten (meistens mit öffentlichen Mitteln) unterstützen die Forschung und schreiben die Texte; die Verlage kassieren das Geld.

  3. Student sagt:

    ..das ist wirklich ein Unding, wenn man bedenkt, dass man mitunter auch „nur“ im Grunde genommen alte Informationen bekommen möchte und später evtl. für Pay-Per-View-Artikel dann bezahlen muss.
    Dieser Umstand wird sicherlich gern unter den Tisch fallen gelassen.
    Es wird ganz sicher dazu führen, dass Studierende auf Open-Source-Quellen mit u.U. fraglicher Validität zurückgreifen, nur weil die Verlage mal wieder die Hand aufhalten- als ob sie nicht schon gut an den Fachbüchern verdienen würden, die bei vielen in den Regalen verstauben…
    Und wenn man bedenkt, dass Studien- und Diplomarbeiten einen nicht unerheblichen Teil zur deutschen Forschung beitragen, wäre eine zukünftige Lösung über PPV eine kleine Katastrophe.
    Die momentane Lösung ist dann zumindest zwar sehr unpraktisch (es kann Engpässen kommen, die evtl. die Zeiträume von wissenschaftl. Arbeiten überstrapazieren, wieder Auswegsproblematik) und alles andere als umweltfreundlich (bei weitem nicht alle Quellen werden ja tatsächlich eingesetzt!),

    aber dafür zumindest finanzierbar.

  4. Ute Engelkenmeier sagt:

    Hallo,

    das neue Urheberrecht führt momentan dazu, dass Bibliotheken an einer zeitgemäßen Informationsversorgung eher gehindert als unterstützt werden. Das Aktionsbündnis Urheberrecht bezeichnet die derzeitige Lage in ihrer letzten Pressemitteilung passenderweise als „Wissenschaft off-line“.

    Erforderlich sind andere Geschäftsmodelle für die „Ware Information“ mit sichergestellter langfristiger Verfügbarkeit (Langzeitarchivierung), adäquatem Zugang und vor allem tragbaren und fairen Preisen.
    Open Access verfolgt das Ziel, insbesondere wissenschaftliche Literatur frei zugänglich zu machen, z. B. dadurch, dass Artikel auf Servern freier E-Journals oder universitären Repositorien liegen oder auf eigenen Websites. Die Forderung nach Open Access wurde mit der andauernden Zeitschriftenkrise (exorbitante Preissteigerungen in den letzten Jahrzehnten) lauter. Stark subventionierte Forschungsergebnisse der Universitäten sollten frei zugänglich werden und nicht teuer (wieder) eingekauft werden. Das schreibt auch die Budapest Open Access Initiative in einer Erklärung: „Frei zugänglich im Internet sollte all jene Literatur sein, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ohne Erwartung, hierfür bezahlt zu werden, veröffentlichen.“

    Hier muss jedoch auch ein Umdenken der Wissenschaftler selbst geschehen. Es scheint noch ein langer Weg zu sein, bis wir soweit sind wie die Bibliothek der Harvard Universität, die ankündigte, sämtliche Forschungsergebnisse der Universitätsangehörigen ins Internet zu stellen. Dazu ein Artikel aus der WAZ.

    Es gibt auch in Deutschland schon einige Initiativen, aber die Möglichkeiten des Open Access sind noch nicht genug bekannt.
    Ein gutes Informationsportal ist open-access.net.
    Im Directory of Open Access Journals sind derzeit über 3.000 Zeitschriften nachgewiesen.

    Wir freuen uns über weitere Kommentare und hoffen, dass das Thema Urheberrecht und Open Access lebhaft diskutiert bleibt 🙂
    Mit freundlichen Grüßen aus der Bibliothek
    Ute Engelkenmeier