UB-Blog - Weblog der Universitätsbibliothek Dortmund

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Stellungnahme zum Artikel in der Pflichtlektüre 11/2010

Dienstag, 14.12.2010 um 14:24 Uhr - 7.548 Aufrufe

In Ihrem Artikel „Zurück auf Los“ äußern Sie sich auf Seite 13 zur Finanzierung der kostenlosen Fernleihe an der Universitätsbibliothek Dortmund durch Studienbeitragsmittel. Dass die Studierenden die Verwendung der von ihnen geleisteten Zahlungen kritisch verfolgen, ist nicht nur ihr gutes Recht, aus Sicht einer Serviceeinrichtung der TU Dortmund begrüße ich das sogar ausdrücklich.

Über Ihre nicht mit uns abgesprochene und wichtige Tatsachen verschweigende Darstellung habe ich mich allerdings sehr gewundert. Dies bin ich umso mehr vor dem Hintergrund, dass die Universitätsbibliothek Dortmund sehr viel Wert darauf legt, ihre Anträge in enger Absprache mit den Studierendenvertretungen zu stellen und über die Verwendung der Mittel transparent Bericht zu erstatten.

Zunächst einmal hat die Universitätsbibliothek den Antrag auf Bewilligung von Studienbeitragsmitteln für die kostenlose Fernleihe auf direkten Wunsch der Studierendenvertretungen hin beantragt. Zur Absprache der Anträge hatte die Bibliothek die Vertreterinnen und Vertreter aus den Fachschaften, dem AStA und der eLuSt zum 27. Januar 2010 sogar persönlich eingeladen.

Welche Vor- und Nachteile die kostenlose Fernleihe hat, war damals allen Beteiligten klar. Dass dies auch zum Zeitpunkt der Beantragung so war, haben mir die beteiligten AStA-Vertreterinnen und -Vertreter in einem Gespräch vor kurzem auch noch einmal bestätigt. Natürlich stellt die Fernleihe keine dauerhafte Verbesserung der Literaturversorgung an der TU Dortmund dar, natürlich wird ohne Gebühr auch mal etwas bestellt, was mit Gebühr nicht bestellt worden wäre, weil es vielleicht doch nicht so wichtig für das Studium ist.

Trotz dieser allen Beteiligten vorher bekannten Tatsachen wurde die kostenlose Fernleihe dennoch auf Wunsch der Studierendenvertreter beantragt und bewilligt. Das mit 30.000 Euro ausgestattete Projekt hat dazu geführt, dass die Zahl der Buchbestellungen von ca. 18.000 auf ca. 27.000 pro Jahr gestiegen ist. Natürlich haben wir aus den Erfahrungen mit diesem Projekt wichtige Erkenntnisse gezogen und werden uns sehr gut überlegen, ob wir noch einmal einen Antrag auf Studienbeitragsmittel für die kostenlose Fernleihe stellen. Diese Maßnahme, von der vermutlich eine vierstellige Zahl von Studierenden direkt profitiert hat, als Geldverschwendung zu bezeichnen halte ich deshalb für nicht angemessen. In dieser Einschätzung bin ich mir übrigens mit unserem Leiter der Benutzungsabteilung, dem Sie das entsprechende Zitat zuschreiben, einig.

Ich würde mich darüber freuen, wenn Sie meine Darstellung in einer Folgeaussage zumindest in soweit wiedergeben können, dass den Studierenden, die sich dafür interessieren, ob ihre Studienbeitragsmittel in der Universitätsbibliothek Dortmund sinnvoll eingesetzt werden, die relevanten Tatsachen zugänglich sind. Gerne können wir uns zu diesem Thema auch noch einmal persönlich austauschen.

Unabhängig davon, werde ich diesen Text in unserem UB-Blog veröffentlichen, da – wie gesagt – uns die Transparenz gegenüber den Studierenden sehr am Herzen liegt.

Mit freundlichen Grüßen,
Joachim Kreische
Leiter der Universitätsbibliothek Dortmund

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9 Kommentare für “Stellungnahme zum Artikel in der Pflichtlektüre 11/2010”

  1. tido sagt:

    Zustimmung!
    Ich persönlich begrüße die kostenlose Fernleihe sehr und habe auch schon Gebrauch davon gemacht. Ansonsten passt der Vorfall in den stärker werdenden Eindruck, dass die Campuszeitung seit der Zusammenlegung zunehmend zu einem Käseblatt verkommt.

  2. Niklas sagt:

    Die kostenlose Fernleihe ist – im Gegensatz zu manch anderen Verwendungen der Studiengebühren (siehe z.B. IBZ) – eine absolute Verbesserung und wird anscheinend auch von einer breiten Studierendenschaft genutzt! Also: bitte beibehalten; ich persönlich habe davon unglaublich profitiert!

  3. Beobachter sagt:

    @tido:
    Naja, wer erwartet von der Pflichtlektüre soliden Journalismus? Da werden die Journalisten doch praxisnah ausgebildet … hauptsache schön anzuschauender psydokritischer Kram … *sarkastisch sei*

  4. Anke sagt:

    Ich halte die kostenlose Fernleihe für einen sinnvollen Verwendungszweck der Studiengebühren.

  5. tido sagt:

    @Beobachter:
    deswegen ja „zunehmend“ 😉

  6. marcel sagt:

    Erinnere mich noch an die erste Ausgabe der Pflichtlektüre, die ich in meiner Zeit als Student hier gesehen hab. Da war der Aufmacher „Sex in der Bibliothek“ oder so. 😀
    Die Pflichtlektüre kann man halt nicht so ganz ernst nehmen…

  7. Beobachter sagt:

    @marcel: Das sieht die selbsternannte journalistische Elite sicherlich anders …:-)

  8. aschaefer sagt:

    Die Stellungnahme der Universitätsbibliothek zum Artikel „Zurück auf Los“ wird in der nächsten oder übernächsten Ausgabe der Pflichtlektüre (je nach Platz) in gekürzter Form in der Rubrik „Leserpost“ abgedruckt. Geplant ist außerdem eine offene Antwort der Autoren, die wir nun auf diesem Wege schon einmal hier veröffentlichen:

    Uns war und ist bewusst, dass die kostenlose Fernleihe, genau wie alle anderen aus Studiengebühren finanzierten Projekte, in Absprache mit der Studierendenschaft eingeführt wurde. Sinn und Zweck unserer Ausführungen im Artikel „Zurück auf Los“ war daher auch keinesfalls eine Verurteilung der Universitätsbibliotheken. Ziel war vielmehr ein Appell an die Studenten, vorausschauender mit den zur Verfügung stehenden Mitteln umzugehen. Und zwar sowohl bei der Beantragung einzelner Mittel als auch bei der Nutzung der Angebote. Die kostenlose Fernleihe diente als Beispiel dafür, wie auch Studenten, die in keinem Gremium sitzen, täglich im Kleinen dafür sorgen können, dass ihr Geld nicht verschwendet wird – eben dadurch, dass sie sich vor jeder Fernleihebestellung überlegen, ob Sie die Literatur wirklich für ihr Studium benötigen und nicht anders bekommen können. Weiterhin bestreiten wir nicht, dass eine Vielzahl von Studenten von der kostenlosen Fernleihe profitiert hat. Dennoch gab es Studenten, die dieses Angebot bewusst oder unbewusst missbraucht haben und es somit an einigen Stellen zu Geldverschwendung machten. Wir sind auch weiterhin der Meinung, dass eine kleine, symbolische Gebühr, die kein Studentenbudget sprengt, hilfreich sein könnte.

    Liebe Grüße
    Anne-Kathrin Gerstlauer und Ann-Kristin Schäfer (Autoren des Artikels)

  9. beobachter sagt:

    @aschaefer
    Das ist im Artikel aber nicht so rüber gekommen.

    @alle
    Mich wundert, das die Lösung: max. soundsoviele Fernleihen nirgends diskutiert wird. Z. B. max. 20/Semester. Das dürfte eigentlich im Normallfall völlig reichen, wenn man nicht ein total abgefahrenes Thema gewählt hat. Aber dann muss man halt auch in Kauf nehmen, dass man ein paar Euro dafür ausgeben muss.