UB-Blog - Weblog der Universitätsbibliothek Dortmund

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Geplante Änderung des Urheberrechts in Deutschland – Information für Bibliotheksnutzer

Donnerstag, 25.01.2007 um 12:42 Uhr - 7.355 Aufrufe

Handeln Sie jetzt!
Schreiben Sie an Ihre/n Bundestagsabgeordnete/n mit diesem Brieftext (Word-Datei) und protestieren Sie gegen dieses Vorhaben.

Die deutschen Hochschulbibliotheken versorgen ihre Benutzerinnen und Benutzer zuverlässig und schnell mit Literaturkopien.

Die Universitätsbibliothek Dortmund hält es für ihre Pflicht, auf eine drohende Entwicklung hinzuweisen, die die Literaturversorgung massiv negativ beeinflussen könnte.

Informationen zu den geplanten Änderungen

Das Bundesjustizministerium hat am 3.1.2006 einen Referentenentwurf zur Änderung des Urheberrechts vorgelegt. Dieser wurde als Gesetzentwurf am 29.6.2006 in den Bundestag eingebracht (Drucksache 16/1828).

In diesem ist eine neue Regelung enthalten, die Kunden aus öffentlich geförderten Einrichtungen erheblich benachteiligt.

Es heißt in § 53a (Kopienversand auf Bestellung):

„Zulässig ist auf Einzelbestellung die Vervielfältigung und Übermittlung einzelner in Zeitungen und Zeitschriften erschienener Beiträge sowie kleiner Teile eines erschienenen Werkes im Wege des Post- oder Faxversandes durch öffentliche Bibliotheken, sofern die Nutzung durch den Besteller nach § 53 zulässig ist. Die Vervielfältigung und Übermittlung in sonstiger elektronischer Form ist ausschließlich als grafische Datei und nur dann zulässig, wenn der Zugang zu den Beiträgen oder kleinen Teilen eines Werkes den Mitgliedern der Öffentlichkeit nicht von Orten und zu Zeiten ihrer Wahl mittels einer vertraglichen Vereinbarung ermöglicht wird.“

Damit ist die Literaturversorgung in vielen Fällen auf die Lieferung von Papierkopien per Post oder Faxkopien beschränkt. Nämlich immer dann, wenn ein Verlag ein entsprechendes (kostenpflichtiges) Angebot per Internet bereithält, auch wenn eine Hochschule oder Forschungseinrichtung keinen Vertrag abgeschlossen hat.
Die Kosten für eine Artikellieferung belaufen sich dann auf bis zu 30 Euro!
Wie soll dies bezahlt werden können?

Diese Regelung ginge weit über das hinaus, was die entsprechende EU-Richtlinie vorgibt.

Lehre und Studium würden unnötig weiter verteuert!

Die geplanten Änderungen widersprechen insgesamt Artikel 5 Abs. 1 Grundgesetz, in dem es heißt: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten“.

Die Universitätsbibliothek Dortmund hat sich immer dafür eingesetzt, dass berechtigte Urheberinteressen geschützt werden und wird dies auch weiterhin tun.

Die drohende Verschärfung des Urheberrechts führt jedoch zu einer unnötigen Behinderung und Verteuerung der Arbeit in öffentlich geförderten Einrichtungen. Sie führt nicht dazu, dass der Forschungsstandort Deutschland attraktiver wird.

Was können Sie tun?

Bitte setzen Sie sich massiv dafür ein, dass diese Änderung des Urheberrechts nicht umgesetzt wird. Die bisherige Regelung ist vollkommen ausreichend, um den Schutz des geistigen Eigentums zu gewährleisten.

Sprechen Sie Ihre/n Bundestagsabgeordnete/n an und machen deutlich, dass eine Gesetzesänderung Ihre Arbeit / Ihr Studium verteuert und verkompliziert. Warum sollen Wissenschaftler und Forscher in Deutschland schlechter dastehen als anderswo in Europa?

Weitere Informationen erhalten Sie hier:

Außerdem empfehlen wir Ihnen, die Göttinger Erklärung zum Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft zu unterschreiben.

Handeln Sie jetzt!
Schreiben Sie an Ihre/n Bundestagsabgeordnete/n mit diesem Brieftext (Word-Datei) und protestieren Sie gegen dieses Vorhaben.

Hier finden Sie Ihre/n Bundestagsabgeordnete/n.

Ansprechpartner in der Universitätsbibliothek:
Norbert Gövert
Ute Engelkenmeier

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